Unerzogen – einfach ist anders

Wenn Du Dich heute dazu entscheidest, Dein Kind NICHT zu erziehen, dann musst Du Dich warm anziehen. Es hagelt versteckte und offene Kritik von allen Seiten. Sprüche wie „Willst Du etwa, dass es Dein Kind mal schwer hat?“ oder „Du wirst schon noch sehen, was Du davon hast!“ sind da keine Seltenheit.

Dieser Post soll Eltern Mut machen, sich für eine bedürfnisorientierte Beziehung zu seinem Kind  zu entscheiden. Hier ein paar Bedenken und meine Antwort darauf:

„Willst Du etwa, dass es Dein Kind mal schwer hat?“

Warum sollte das so sein? Es würde bedeuten, dass es erzogene Kinder leichter haben. Kinder die im klassischen Sinne erzogen wurden passen in Schubladen, stellen keine Fragen (oder nur angemessene) und sind obrigkeitshörig. Sie trauen sich nicht, ihre Bedürfnisse zu äußern oder sich Gehör zu verschaffen. Das soll einfach sein? Ja, aber nicht für mein Kind, sondern für die Mitmenschen. In den sozialen Medien werden ständig Sprüche mit dem Inhalt gepostet, dass wir stark und unabhängig sein sollen. Wild und eigenständig. Durchsetzungsstark und die eigene Meinung vertretend… aber warum sorgen wir dann mit der klassischen Erziehung für genau das Gegenteil?

„Du wirst schon noch sehen, was Du davon hast!“

Oh ja, das werde ich. Meine Devise lautet „Wer Sprache lehrt, der darf das Wort nicht fürchten.“ Ich bin mir im Klaren darüber, dass sich meine Tochter zuerst im „geschützten Raum“ ausprobieren wird. Also innerhalb der Familie… Es wird Energie fordern und sehr interessant sein.  Am Ende wird ein Mensch stehen, der seine Stimme kennt und um seine Bedürfnisse weiß (was nicht bedeutet, ignorant mit den Bedürfnissen anderer Menschen umzugehen).

 „Willst Du etwa alles durchgehen lassen?“

Nein. Um das zu verstehen ist es wichtig, die Definition von „Nichterziehung“ zu kennen:  Die Bedürfnisse zu achten und die natürliche Entwicklung des Kindes zu begleiten. Außerdem nicht die Macht zu MISSBRAUCHEN, die ein Erwachsener gegenüber dem Kind auf Grund seiner Körpergröße und seines Alters hat. Es bedeutet NICHT, die Verantwortung, die ich für mein Kind habe, abzugeben.
Ein Beispiel: Wenn ich mit meiner 9 Monate alten Tochter eine Kunstausstellung besuche, dann muss ich vorweg denken, damit kein Exponat beschädigt wird. Nehme ich sie mit und lasse ich sie frei herumkrabbeln, darf ich nicht sie sanktionieren wenn etwas beschädigt wird, sondern muss selbst die Konsequenzen tragen.

Wer sich für ein solches Leben mit seinem Kind entscheidet wird noch etwas feststellen: Die Hinterfragung der eigenen Erziehung! Denn unsere Kinder lernen vor allem durch Imitation der Bezugsperson. Wir sind der Leitfaden, an dem sich unsere Kinder orientieren. Sie beobachten uns und ahmen uns nach. Sich also seinen Handlungen bewusst zu sein, ist ein erster Schritt in Richtung „Nichterziehung“.