Meine Ängste gehören mir

Bis ich zu dieser Fassung gekommen bin, habe diesen Post mehrfach umgeschrieben. Es ist ein heikles Thema, denn nichts rüttelt fester an der menschlichen Seele als Angst. Dass Angst dennoch auch positiv sein kann, zeigt ein Blick in unsere Vergangenheit. Die Angst von wilden Tieren gefressen zu werden machte den Menschen wachsamer. Das Hören und der Geruchsinn wurden empfindlicher, Herzschlag und Atmung wurden schneller, jede Faser war für den Notfall auf Flucht oder Kampf eingestellt.

So ist es noch heute. Doch was ist, wenn unsere körpereigene Alarmanlage deutlich zu sensibel eingestellt ist? Wenn der Tritt auf eine Leiter (unterste Stufe) genügt, um den Herzschlag zum rasen zu bringen? Wenn schon der Gedanke an ein Flugzeug genügt, um den Fluchtinstikt auszulösen? Gut gemeinte Erklärungen und Ratschläge helfen mir in diesen Situationen nichts, denn mit rationalem Denken hat Angst nichts zu tun.

Seit meiner Jugend habe ich mir ungewollt eine heftige Höhenangst antrainiert. Ich betrete garantiert kein Flugzeug und bin generell sehr vorsichtig. Mein Leben habe ich bisher dennoch ohne spürbare Einschränkungen gelebt. Kritische Situationen habe ich entweder entschärft oder einfach vermieden.

Doch seit nunmehr 10 Monaten gibt es die kleine Dame in meinem Leben. Eine kleine Person, die noch keine bewusste Angst kennt. Sie lebt in den Tag hinein und entdeckt ihre Umwelt. Neugierig betrachtet sie die Dinge und traut sich mutig in neue Situationen. „Beste Voraussetzungen also für ein Leben ohne übertriebene Ängste. … wäre da nicht mein Einfluss.“

Das war mein Gedankengang als ich begann, mich mit meinen Ängsten zu beschäftigen. Eigentlich wollte ich nur für mich klären, wie ich mir den Umgang mit meiner Tochter vorstelle. In lustigen, positiven Situationen ist das ja vergleischweise einfach. Doch was ist mit den Situationen in denen Du selbst an eine Grenze kommst? Mit welchem Gefühl soll Deine Tochter diese Erinnerung verknüpfen? „Vor Leitern muss man Angst haben.“ oder „Betrete niemals ein Flugzeug.“? Nein, das wollte ich nicht.

Mit den folgenden Punkten bin ich an meine Ängste herangegangen. Vielleicht hilft es auch Dir:

  1. Kenne Deine Ängste: Selbstbeobachtung (Was bereitet mir Angst?), Einstufung (Ist es Angst oder Panik?) und Bewertung (Ist diese Angst lebensnotwendig?)
  2. Priorisierung: Welche Angst möchte ich auf keinen Fall weitergeben (mit dieser habe ich begonnen)
  3. Hilfe: Wie kann eine Aufarbeitung aussehen und wo bekomme ich Hilfe durch Dritte?
  4. Los geht es!

Mein Weg aus der Höhenangst besteht darin, mich mit Hilfe den Situationen auszusetzen. Es wird sicher noch dauern, doch unter kundiger Anleitung klettere ich nun hin und wieder indoor. Die Bearbeitung meiner Flugangst habe ich zurückgestellt, da sie in unserem Alltag eine geringe Rolle spielt. Dennoch achte  ich bewusst auf meine Äußerungen und mein Verhalten beim Thema Flugreisen.

FAZIT

Wieder ein Thema, vor dem einen keiner warnt wenn man schwanger wird … und doch lohnt es sich gleich in doppelter Hinsicht: Für meine Tochter und für mich.

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