Ich wünsch‘ mir nix – das alljährliche Ratespiel

So, Weihnachten ist kaum vorbei, da komme ich schon wieder mit dem lästigen Thema „Geschenke“…. Zumindest bezeichnen es einige Menschen, die ich kenne genau so! Insgeheim hoffen alle, dass die zu beschenkende Person einmal aufrichtig und ehrlich sagt: „Nein, ich wünsche mir nichts. Ich habe doch schon alles. Alles ok so, Du brauchst nichts mitbringen.“

Nein, zu dieser Sorte Mensch zähle ich seit einigen Jahre nicht mehr. Insgeheim habe ich mir fast immer etwas gewünscht und meist nur solche Aussagen getroffen, weil es eben sich so gehörte. Scheu, zurückhaltend und möglichst genügsam, das zählt auch heute noch oft zu den Tugenden (einer Frau). Während ich mir dann ständig Gedanken machte, wie ich liebe Menschen um mich herum beschenken kann, trat ich lächelnd zurück.

Natürlich kam es unweigerlich irgendwann so, wie es kommen musste … ich bekam entweder Dinge, die ich nicht haben wollte (weil ja keiner wusste, was ich wollte und dann das Ratespiel eben nach hinten los ging) oder ich bekam wirklich NICHTS….

Dabei ist diese „Zier“ echt unfair Dir gegenüber und der Person, die Dich beschenken möchte/soll ….

Warum?

  • Wenn Dein Gegenüber die leiseste Ahnung hat, dass Du Dir DOCH etwas wünschst, ist Frust vorprogrammiert! Diese Ratespiel nervt total und kann im dümmsten Fall dazu führen, dass Du Blödsinn bekommst.
  •  Ist dann das Ratespiel nach hinten los gegangen, fühlst nicht nur DU Dich doof, sondern auch Dein Gegenüber. Es sei denn, Du bist eine so gute Schauspielerin wie Meg Ryan in „Harry und Sally“ (…)
  •  Wie gehst Du dann mit dem Geschenk um, das Du nicht haben willst? Umtausch? Wegschmeißen? Ganz hinten in den Schrank räumen und immer dann hektisch raus holen, wenn der-/diejenige mal zu Besuch kommt? Was für ein Stress (insbesondere, wenn Du mehrere solche Fehlgriffe bekommst….)
  •  Letztendlich hast Du damit Deinem besonderen Tag (ob Geburtstag, Jubiläum, Feiertag etc.) den eigentlichen Zauber genommen UND

    DAFÜR BIST DU VERANTWORTLICH. NICHT DEIN GEGENÜBER!!

So, und bevor Du mich jetzt als „konsumsüchtig“ abstempelst:

  • Für mich hat „schenken“ nicht zwangsläufig etwas mit „viel Geld ausgeben“ zu tun.

    Alternativen:
    a) Zeit schenken (ganz bewusst, mit Termin und so. Schöne Karte besorgt, alles reingeschrieben … sonst gerät es schnell in Vergessenheit und wirkt nicht ernst gemeint).

    b) Selbstgestaltete Spruchkarten mit dem Lieblingszitat meines Gegenübers (zeigt dem Beschenkten auch, wie sehr Du zuhörst und Dich für seine Worte interessierst. Mein Highlight: Kleine Fähnchen mit kessen Sprüchen zum Hochhalten …. wenn mal wieder nicht die passenden Worte einfallen.)

    c) Ein „Rezept“ schenken (Wenn Du das hörst: „boaaahhh wie lange wollte ich schon mal dieses Keksrezept ausprobieren … ich komme einfach nicht dazu.“ => Kaufe die Zutaten ein, besorge das Rezept und spontan zum Backen einladen…. quatschen lässt es sich auch ganz prima währenddessen. Geht natürlich auch für Kochfans. Ach ja und natürlich für ein Taxi im Anschluss Sorge tragen … falls Ihr Euren Schnack mit ein bisschen Prosecco, Wein etc. untermalen wollt.)

  • Ich wünsche mir selten wirklich mehrere Geschenke. Meist habe ich einen Wunsch, für den mir einfach die Kohle oder die Zeit zum Einkaufen fehlt … Gemeinschaftlich Geld sammeln und schenken ist vollkommen ok. Dieser Wunsch, dem Gegenüber als einziger etwas ganz besonderes schenken zu wollen … wo kommt der her? Deutet der nicht eher darauf hin, sich in den Vordergrund stellen zu wollen? Lasst das und spart Euch diesen Stress.
  • Frag doch einfach nach! „Was wünschst Du Dir zum Geburtstag/…?“ Sollte ein „Nichts. bla bla“ (egal ob ernst oder gespielt) die Antwort sein:
    DANN: Bringst Du eine KLITZEKLEINIGKEIT mit! Warum? Weil Du die Person magst. Einfach so! Weil Du sie lächeln sehen möchtest!! Und wenn es eben nur eine kleine gekaufte Spruchkarte ist. „Die ist mir auf dem Weg auf die Füße gefallen…“ ODER ein kleines ausgebuddeltes (nur notfalls gepflücktes) Blümchen, ganz frisch. „Die wollte zu Dir. Danke für die Einladung zu deinem Geburtstag/Jubiläum etc….“
  • Eine „Erledigung“ schenken. „Ich schaffe es seit Monaten nicht zum Juwelier um die Batterie an meiner Uhr wechseln zu lassen.“ => Entweder die Person hat noch jemanden im Haushalt, der Dir die Uhr VOR dem besagten Tag geben kann und Du bringst sie dann einfach „repariert“ zurück. ODER Du lädst die Person auf einen Spaziergang ein… rein zufällig am Juwelier vorbei … (Achtung Öffnungszeiten beachten!)

Und bevor Du jetzt in Stress ausbrichst, weil Du keine Bastelqueen oder Kreativkopf bist …. suche Dir jemanden, der das kann! Es ist doch nicht schlimm, wenn es jemand anderes gebastelt hat! Du musst Dir nur Gedanken machen, wie es aussehen soll und was es sein soll. Die Idee und die Leidenschaft muss schon von Dir kommen. Es soll ja kein „Abwälzen einer lästigen Pflicht“ sein.

Und WARUM dieser ganze Aufwand?

Weil sich Menschen (so wie ich früher) oft nicht trauen, Wünsche zu äußern. Sie haben es schlicht einfach nicht gelernt … oder verlernt! Tu es einfach und schenke. Einfach, weil Du es schön findest. Dafür musst Du nicht Tiffanys ausrauben oder Stunts aus einem fliegenden Hubschrauber machen.

Geschenke müssen nicht immer riesige Anschaffungen sein, kleine Aufmerksamkeiten sind manchmal noch viel schöner. Weißt Du wie schön es ist, wenn jemand für Dich seine Komfortzone verlassen hat? Er/Sie hat gebastelt, obwohl er/sie das nicht wirklich kann? Da ist das Ergebnis schon fast egal.

Und weil es gerade aus mir heraus sprudelt, hier noch ein paar Ideen:

  • Eine riesige Kiste Nudeln verschiedenster Art für einen Pastafan
  • Jahres-ABO der Lieblingszeitschrift
  •  (selbst gebastelte) Auswahl an Spielen mit Bildern/Sätzen aus Eurer gemeinsamen Vergangenheit (Memory, Puzzle, Kartenspiel „Weisst Du noch?“ oder „Wo/wann war das nochmal?“) ODER ein besonderes Geschicklichkeitsspiel für Fans dieser Spiele. Gibt es in fast jeder Buchhandlung.
  • Bücher / Hörbücher
  • Schönes Einweck-Glas mit Schleife versehen. Bunte Zettel und einen Stift hinein … Wunschglas für die kommenen 300 Tage … (dann bleiben 65 Tage zum filtern und besorgen).
  • Thema „Karten“: Immer, wenn Ihr an einem entsprechenden Ständer vorbeikommt, schaut ihr nach schönen Spruch-/Gratulations-/Witzkarten … Vielleicht ist da eine dabei, bei der ihr an einen oder mehrere Freunde denkt. Muss doch nicht direkt vor dem entsprechenden Ehrentag sein. Ihr müsst nur wissen, wo sie liegt, wenn es soweit ist!
  • Zutaten für ein „Klatschbröten“ schenken (Schokokuss und Brötchen) … wann machste Dir das schonmal selbst? Eigentlich nie. Passt auch für andere „Gerichte“ die Ihr früher so gegessen habt (Tüte gemischtes Süßes „vom Kiosk“)

Du merkst schon, es muss nicht immer originell sein…. kennen solltest Du Dein Gegenüber aber schon! Oder zumindst jemanden kennen, der einen kennt ….. Manchmal ist auch die Verpackung oder die Inszinierung eines Geschenks das besondere „I-Tüpfelchen“.

Danke für’s Lesen! Wie Du gemerkt hast, ist dieser Beitrag aus zwei Sichtweisen geschrieben: Dem Schenkenden und dem Geschenkeempfänger. Grundsätzlich gilt aber für ALLE:

  • Wenn Ihr etwas haben wollt, dann sprecht es aus! Wie soll Euch Eure Umwelt ernst nehmen, wenn Ihr es selbst nicht tut.
  • Wenn Ihr Euch mit dem Schenken schwer tut, sprecht das an! Möchte diese Person – so wie ich – gerne ein Geschenk, dann bittet Sie um Hilfe. „Ich habe wirklich keine Ahnung, nichts von dem, was ich mir ausdenke, wird Dir gerecht… Gibt es da etwas, was Du Dir wünschst?“
  • Es kann übrigens ewig dauern, bis die Leute Dir wieder etwas schenken…. Sie hören nämlich irgendwann auf zu fragen, ob Du etwas möchtest. Hast Dir ja schon sein Jahren nichts mehr gewünscht, warum dann jetzt?
  • „Rate doch mal“ oder „Das solltest Du wissen.“ sind übrigens unfaire Wünsche.

 

Persönliche Anmerkung:

Ich weiß ja, dass dieser Beitrag von Menschen aus meinem direkten Umfeld gelesen wird. Und da ist mir folgender Hinweis ganz wichtig:

Entschuldigung für jeden vergessenen Geburtstag/Jahrestag. (Meine absolute Schwäche)
Sorry für jedes nicht mitgebrachte Geschenk.
Verzeihung für die vielen Wochen, in denen ich mich manchmal nicht melde.
… ich denke oft an Euch!

Ich kann an dieser Stelle nicht schreiben „Es kommt nicht wieder vor…“ das wäre unglaubwürdig. Aber ein „Ich denke oft an Euch und arbeite daran, dass die Zeiten anders werden.“ ist mir wichtig!

 

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