Wer bin ich, weshalb und warum so viele? – Lebens-Mikado für nachhaltige Veränderungen

KENNE DICH… ein Satz mit großem Potential für Verwirrung. Für mich ist es DER Schritt, der unbedingt spätestens an zweiter Stelle der zu einer gesunden Lebensweise kommen sollte ….

Na, wie sieht es aus, kennst Du Dich?

„Naja, ich denke ich kenne mich schon recht gut. Ich mag die Farbe Grün, bin Löwe und esse wahnsinnig gerne Nudeln….“ so oder so ähnlich schallt es mir entgegen, wenn ich frage: „Kennst Du Dich?“.
Guter Anfang. Doch spätestens bei meiner Antwort darauf taucht das erste Fragezeichen über dem Kopf meines Gesprächspartners auf: „UND WARUM?“. „Wie, warum? Na, weil mir Nudeln eben schmecken und geboren bin ich eben im August, oder was meinst Du?“ – „Dass Du geboren wurdest, ist eine ganz wundervolle Tatsache und erleichtert unser Gespräch gerade sehr. Doch warum magst Du gerade Grün? Was gibt Dir ein Pastagericht (abgesehen vom Nährwert)?“

Zugegeben auf den ersten Blick klingt die Frage schon etwas exotisch. Doch wer sie sich konsequent mal bis zum Ende stellt wird überrascht sein.

Kinder als Lebens-Coaches

Meister darin sind übrigens Kinder! Auf ein „NEIN“ kann ab einem gewissen Alter die Dauerschleife „…und waruuuum?“ folgen. Immer und immer wieder hinterfragen die Kleinen unsere Entscheidung und sorgen so unter Umständen für aufgeriebene Nerven und reißende Geduldsfäden. Bevor Sie dies nun jedoch als nervende Schikane abtun, die dringend abgewöhnt werden muss, lassen Sie die Frage doch einmal ganz bei sich ankommen.

Ja, ich gebe zu, das Timing unseres Nachwuchses ist nicht immer ganz optimal …. aber ganz grundsätzlich kann Sie diese Fragerei zu einem ganz wichtigen Punkt bringen:

Zu der Basis Ihres Denkens und Handelns. Quasi die DNA.

Ja, und WARUM ist das so?

Jedes Warum bringt Sie ein Stück näher an den wirklichen Grund Ihrer Aussage! Ganz gleich, um was es eigentlich ging. Ernährung, Bewegung/Sport, Freundschaften, Selbstwahrnehmung ….

Warum mögen Sie Joggen nicht?
Warum essen Sie lieber Pizza als eine bunte Gemüsepfanne?
Warum ist Ihnen Ihre Freundin Claudia so ans Herz gewachsen?

Eine Kundin in der Ernährungsberatung habe ich seinerzeit fast in den Wahnsinn getrieben mit dieser Frage … Sie hielt einfach keine Ernährungsumstellung durch. Egal, was sie versuchte, sie brach über kurz oder lang (meistens eher kurz als lang) alle Maßnahmen ab.

„Ich halte einfach keine Umstellung durch, falle immer wieder zurück.“
– „WARUM meinen Sie ist das so?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht weil mir die neuen Rezepte nicht schmecken?“
– „WARUM? Was ist anders?“
„Naja, zwischendurch brauche ich schon mal wieder was RICHTIGES zu essen.“
– „WARUM sind die neuen Rezepte nichts richtiges?“
„So eine r-i-c-h-t-i-g-e Mahlzeit braucht doch Geschmack und muss satt machen.“
– „Bin ich ganz bei Ihnen. WARUM machen Sie die neuen Rezepte nicht satt und was ist mit dem Geschmack?“
….

Ich kürze an dieser Stelle ab. Was die liebe Dame meinte: In ihrer Kindheit wurde stets VIEL gegessen. Also ich meine WIRKLICH VIEL. Ein übervoller Teller galt als normal und gesund und was darauf war, war deftige Hausmannskost. Klar, dass Sie mich ungläubig ansah, als ich eine optimale Portionsgröße zeigte … ihre Definition von „normaler Portion“ war heftigst verzerrt und mit einer Gemüsepfanne (selbst mit Hackfleischeinlage) war sie nicht glücklich. Sie hatte ständig das Gefühl sich einzuschränken und sich nicht ausreichend zu versorgen. Wir änderten Ihre Hausmannskost zunächst ein bisschen ab, erhöhten den Gemüseanteil darin und ließen ansonsten alles beim alten. Die ersten Pfunde purzelten, sie blieb am Ball. Später stellten wir noch ein bisschen mehr um und erhöhten den Bewegungsanteil in ihrem Alltag.

Ziel erreicht, wir beide glücklich.

Wieder neue Rezepte oder mahnende Worte wären für uns beide nur noch belastender geworden.

Auch bei der Partnerwahl ist die W-Frage sehr hilfreich. Wenn Du verstanden hast, wer DU bist, kannst Du auch ein passendes Gegenüber anziehen. Klingt logisch? Warum steht dann in jedem zweiten Onlineprofil „spazieren gehen, lesen und reisen“ obwohl schon der Sonntagsspaziergang mit den Eltern eine reine Qual war, sich die heimische Bibliothek auf die Bedienungsanleitung des Radios beschränkt und die letzte Reise, der Schulausflug zum nächstgelegenen Museum war?! Klar, diese Hobbies könnte man dann ja für einen optimalen Partner mal machen … aber das ist weder dem Partner noch dem eigenen Wohlgefühl  gegenüber fair. Das Scheitern ist vorprogrammiert sobald die Idealvorstellung zerbricht. Und besonders kritisch wird es, wenn dieses Trugbild über Jahre hinweg aufrecht erhalten wird ….

Selbiges gilt für die Wahl der Berufe …

Es ist ein bisschen wie Dedektiv im eigenen Leben spielen

Wer ganz grundsätzlich versteht wie er tickt, WARUM er gewisse Vorlieben oder Abneigungen hat, kann handeln. Denn wenn wir wissen, was unser tiefstes Inneres bewegt, können wir das für uns nutzen.

Ich zum Beispiel liebe die Farbe Grün. Es ist meine Farbe! Sie symbolisiert für mich Hoffnung, Natur, Leben und Kraft. Warum? Weil ich als kleines Kind nahe eines Waldes aufgewachsen bin und bei der Farbe Grün jedes Mal an einen ganz besonders schönen Waldspaziergang mit meinem Vater denken muss. Wir entdeckten ein verlassenes Holzhäuschen, suchten Wildspuren und kamen vollkommen glücklich zurück nach Hause. Neulich hatte ich die Chance, meinen ersten Vortrag vor knapp 200 Medizinern zu halten. Ich war heftigst nervös und hatte die Generalprobe grandios vergeigt. Kurz vor dem Auftrtitt schaute ich auf mein zartes, grünes Armband, welches ich mir gekauft hatte….


Wenn ich weiß, was mich erfüllt, woher diese Erfüllung stammt und warum ich sie so dringend brauche, kann ich handeln. Nur dann ist es wirklich nachhaltig. 


Einfach und gut

Natürlich gibt es komplexere Dinge, als die Farbe Grün bei aufsteigender Nervosität. Doch sind es oft gerade die kleinen Dinge, die manchmal so nachhaltig unser Leben verändern können. Ziehen wir an dem einen Faden, bewegt sich auch der andere. Es ist ein bisschen wie Lebens-Mikado. Und das Erebnis ist in jedem Falle positiv und nachhaltig.


Alle Bereiche des Lebens greifen ineinander, die Übergänge sind fließend. Erkenntnisse im einen führen eventuell auch zu Lösungen bei Herausforderungen in einem anderen Lebensbereich. 


Wichtige Bitte

Holen Sie sich bitte Hilfe, wenn Sie merken, die Beantwortung der Fragen führt Sie auf einen ungeahnt steinigen Weg. Manchmal sind traumatische Ereignisse in weiter Vergangenheit für Probleme in der Gegenwart verantwortlich. Wir haben sie vielleicht sogar vergessen und trauen uns daher unbewusst nur oberflächlich an eine scheinbare Problematik. Der Grund und damit die Bewältigung liegt jedoch tiefer.

Ich werde ja immer wieder gefragt, WAS genau ein Präventologe ist! Eben auch DAS: Kompetente Begleitung bei den ersten Schritten, Anstifter zu mehr Eigen-verantwortlichkeit und – im Bedarfsfall – Vermittler*in zu spezialisierten Anlaufstellen (Ärzten, Selbsthilfegruppen etc).


Als Babies reagieren wir instinktiv. Wir handeln im Kindesalter oft „unbewusst kompetent“ und sollten als Erwachsene das Ziel haben „bewusst kompetent“ zu werden und uns hüten vor der „unbewussten Inkompetenz“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s