Stell eine Frage an … Barbara Rittner

Ich bin ehrlich, von Barbara Rittner hatte ich bis zu diesem Wochenende noch nie etwas gehört. Tennis-Fans schütteln jetzt vielleicht verständnislos den Kopf und ich muss ehrlich eingestehen, dass ich da wirklich etwas verpasst habe!

Zur Person: Barbara Rittner ist ehemalige Tennisspielerin, war von 2005 bis 2017 Kapitänin des FedCup-Teams und ist seit 2009 die erste Bundestrainerin des Deutschen Tennis Bundes.

Sie fasziniert durch ihre klare, offene Art und steht offen zu ihrem Ruf eine „harte Trainerin“ zu sein. Das glaube ich ihr sofort und noch etwas wird schnell deutlich: Für ihre Schützlinge und deren Entwicklung will sie immer das Beste!

Im Rahmen meiner Ausbildung zum SportMental Coach war sie eine der Referentinnen und gab uns einen umfangreichen Einblick in Ihre Arbeit – natürlich unter Wahrung der Diskretion!

Von sich selbst sagt Frau Rittner, dass sie jede Station bis zu ihrer heutigen Tätigkeit auch wirklich selbst durchlebt hat. Sie atmet förmlich Tennis und weiß genau, wovon sie spricht. Als Kapitänin des FedCup-Teams wusste sie sofort: Ich brauche ein buntes Betreuer-Team! Mit ihren verschiedenen Eigenschaften und Fähigkeiten hat jeder einen anderen Blick und andere Antennen für die Sportlerinnen. Und das ist wichtig für den Gesamtblick.

Daher: Für komplexe Vorgänge brauchst Du vertrauensvolle Partner, die sich gut ergänzen und ganz verschiedene Antennen haben!

Hintergrund: Der FedCup ist der wichtigste Wettbewerb für Nationalmannschaften im Damentennis. Es erstreckt sich über mehrere Monate mit mehreren nationalen Qualifikationen und einer einwöchigen Finalphase (inkl. Vorbereitung).

Das bedeutete insbesondere für die Kapitänin und das Betreuer-Team: Die in ihrer Art grundsätzlich verschiedenen Einzelspielerinnen innerhalb kurzer Zeit zu einem Team zu formen. Jede einzelne möchte gesehen und so unterstützt werden, wie sie es braucht. Keine Spielerin ist austauschbar. Die Brechstangen-Methode oder Drohungen zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen waren da sicherlich keine sinnvollen Methoden.

Und daher war meine Frage an Frau Rittner: „Wie haben Sie es geschafft, stets so punktgenau in Ihrer Optimalspannung zu sein, um die jeweilige Sportlerin so individuell unterstützen zu können, wie diese es für ihr bestes Ergebnis gebraucht hat?“

Hintergrund: Optimalspannung ist die innerliche Anspannung, die uns fokussiert, klar, kompetent und doch auch flexibel handeln lässt. Insbesondere vor Herausforderungen (Sprechen vor mehreren Menschen, Gehaltsverhandlungen etc.) kann der Aufbau der Optimalspannung sehr vorteilhaft sein. Die Über- und die Unterspannung sind die beiden Extreme dazu.

Zusammengefasst waren bei Barbara Rittner drei Dinge dafür entscheidend: Genau wissen, was mein Gegenüber wann zur Unterstützung braucht (insbesondere bei emotionalen Situationen in Drucksituationen). Urvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und die Intuition. Fokus.

Ganz wichtige Eigenschaften für das Arbeiten mit und in Teams.

Den folgenden Impuls gab sie noch für Situationen in denen wir uns schwer für eine Reaktion entscheiden können: Wenn Dir mehrere Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und Du zweifelst, welche die 100%ig richtig sein könnte, dann nimm die erste, die Dir in den Gedanken kommt. Aber die dann auch mit vollem Einsatz!

Sie hat diese Aussage natürlich spezifischer und aus einer ganz konkreten Situation im Tennis getroffen … Aber so allgemein ausgedrückt bekommt sie für uns in unserem Alltag ebenfalls eine große Kraft!

Dies deckt sich im Übrigen mit einer Aussage von Urs Meier (ehemaliger schweizerischer Schiedsrichter). Dieser hatte noch ergänzt, dass wir dann auch für diese Entscheidung eintreten und Verantwortung übernehmen sollen. Auch, wenn es im Nachhinein nicht die beste Entscheidung war!

Insgesamt war es ein spannender Vortrag, der übrigens aufgrund der besonderen Situation derzeit ganz spontan via Video-Konferenz durchgeführt wurde! Auch in Zeiten der Unsicherheit und Isolierung können wir miteinander und voneinander lernen, gemeinsam lachen und uns weiter entwickeln!

Am darauf folgenden Tag hatten wir noch die Gelegenheit von Matthias Knossalla zu lernen … Dazu folgt bald der Beitrag! Vorab schonmal: Es war großartig!

Wer bin ich, weshalb und warum so viele? – Lebens-Mikado für nachhaltige Veränderungen

KENNE DICH… ein Satz mit großem Potential für Verwirrung. Für mich ist es DER Schritt, der unbedingt spätestens an zweiter Stelle der zu einer gesunden Lebensweise kommen sollte ….

Na, wie sieht es aus, kennst Du Dich?

„Naja, ich denke ich kenne mich schon recht gut. Ich mag die Farbe Grün, bin Löwe und esse wahnsinnig gerne Nudeln….“ so oder so ähnlich schallt es mir entgegen, wenn ich frage: „Kennst Du Dich?“.
Guter Anfang. Doch spätestens bei meiner Antwort darauf taucht das erste Fragezeichen über dem Kopf meines Gesprächspartners auf: „UND WARUM?“. „Wie, warum? Na, weil mir Nudeln eben schmecken und geboren bin ich eben im August, oder was meinst Du?“ – „Dass Du geboren wurdest, ist eine ganz wundervolle Tatsache und erleichtert unser Gespräch gerade sehr. Doch warum magst Du gerade Grün? Was gibt Dir ein Pastagericht (abgesehen vom Nährwert)?“

Zugegeben auf den ersten Blick klingt die Frage schon etwas exotisch. Doch wer sie sich konsequent mal bis zum Ende stellt wird überrascht sein.

Kinder als Lebens-Coaches

Meister darin sind übrigens Kinder! Auf ein „NEIN“ kann ab einem gewissen Alter die Dauerschleife „…und waruuuum?“ folgen. Immer und immer wieder hinterfragen die Kleinen unsere Entscheidung und sorgen so unter Umständen für aufgeriebene Nerven und reißende Geduldsfäden. Bevor Sie dies nun jedoch als nervende Schikane abtun, die dringend abgewöhnt werden muss, lassen Sie die Frage doch einmal ganz bei sich ankommen.

Ja, ich gebe zu, das Timing unseres Nachwuchses ist nicht immer ganz optimal …. aber ganz grundsätzlich kann Sie diese Fragerei zu einem ganz wichtigen Punkt bringen:

Zu der Basis Ihres Denkens und Handelns. Quasi die DNA.

Ja, und WARUM ist das so?

Jedes Warum bringt Sie ein Stück näher an den wirklichen Grund Ihrer Aussage! Ganz gleich, um was es eigentlich ging. Ernährung, Bewegung/Sport, Freundschaften, Selbstwahrnehmung ….

Warum mögen Sie Joggen nicht?
Warum essen Sie lieber Pizza als eine bunte Gemüsepfanne?
Warum ist Ihnen Ihre Freundin Claudia so ans Herz gewachsen?

Eine Kundin in der Ernährungsberatung habe ich seinerzeit fast in den Wahnsinn getrieben mit dieser Frage … Sie hielt einfach keine Ernährungsumstellung durch. Egal, was sie versuchte, sie brach über kurz oder lang (meistens eher kurz als lang) alle Maßnahmen ab.

„Ich halte einfach keine Umstellung durch, falle immer wieder zurück.“
– „WARUM meinen Sie ist das so?“
„Ich weiß es nicht, vielleicht weil mir die neuen Rezepte nicht schmecken?“
– „WARUM? Was ist anders?“
„Naja, zwischendurch brauche ich schon mal wieder was RICHTIGES zu essen.“
– „WARUM sind die neuen Rezepte nichts richtiges?“
„So eine r-i-c-h-t-i-g-e Mahlzeit braucht doch Geschmack und muss satt machen.“
– „Bin ich ganz bei Ihnen. WARUM machen Sie die neuen Rezepte nicht satt und was ist mit dem Geschmack?“
….

Ich kürze an dieser Stelle ab. Was die liebe Dame meinte: In ihrer Kindheit wurde stets VIEL gegessen. Also ich meine WIRKLICH VIEL. Ein übervoller Teller galt als normal und gesund und was darauf war, war deftige Hausmannskost. Klar, dass Sie mich ungläubig ansah, als ich eine optimale Portionsgröße zeigte … ihre Definition von „normaler Portion“ war heftigst verzerrt und mit einer Gemüsepfanne (selbst mit Hackfleischeinlage) war sie nicht glücklich. Sie hatte ständig das Gefühl sich einzuschränken und sich nicht ausreichend zu versorgen. Wir änderten Ihre Hausmannskost zunächst ein bisschen ab, erhöhten den Gemüseanteil darin und ließen ansonsten alles beim alten. Die ersten Pfunde purzelten, sie blieb am Ball. Später stellten wir noch ein bisschen mehr um und erhöhten den Bewegungsanteil in ihrem Alltag.

Ziel erreicht, wir beide glücklich.

Wieder neue Rezepte oder mahnende Worte wären für uns beide nur noch belastender geworden.

Auch bei der Partnerwahl ist die W-Frage sehr hilfreich. Wenn Du verstanden hast, wer DU bist, kannst Du auch ein passendes Gegenüber anziehen. Klingt logisch? Warum steht dann in jedem zweiten Onlineprofil „spazieren gehen, lesen und reisen“ obwohl schon der Sonntagsspaziergang mit den Eltern eine reine Qual war, sich die heimische Bibliothek auf die Bedienungsanleitung des Radios beschränkt und die letzte Reise, der Schulausflug zum nächstgelegenen Museum war?! Klar, diese Hobbies könnte man dann ja für einen optimalen Partner mal machen … aber das ist weder dem Partner noch dem eigenen Wohlgefühl  gegenüber fair. Das Scheitern ist vorprogrammiert sobald die Idealvorstellung zerbricht. Und besonders kritisch wird es, wenn dieses Trugbild über Jahre hinweg aufrecht erhalten wird ….

Selbiges gilt für die Wahl der Berufe …

Es ist ein bisschen wie Dedektiv im eigenen Leben spielen

Wer ganz grundsätzlich versteht wie er tickt, WARUM er gewisse Vorlieben oder Abneigungen hat, kann handeln. Denn wenn wir wissen, was unser tiefstes Inneres bewegt, können wir das für uns nutzen.

Ich zum Beispiel liebe die Farbe Grün. Es ist meine Farbe! Sie symbolisiert für mich Hoffnung, Natur, Leben und Kraft. Warum? Weil ich als kleines Kind nahe eines Waldes aufgewachsen bin und bei der Farbe Grün jedes Mal an einen ganz besonders schönen Waldspaziergang mit meinem Vater denken muss. Wir entdeckten ein verlassenes Holzhäuschen, suchten Wildspuren und kamen vollkommen glücklich zurück nach Hause. Neulich hatte ich die Chance, meinen ersten Vortrag vor knapp 200 Medizinern zu halten. Ich war heftigst nervös und hatte die Generalprobe grandios vergeigt. Kurz vor dem Auftrtitt schaute ich auf mein zartes, grünes Armband, welches ich mir gekauft hatte….


Wenn ich weiß, was mich erfüllt, woher diese Erfüllung stammt und warum ich sie so dringend brauche, kann ich handeln. Nur dann ist es wirklich nachhaltig. 


Einfach und gut

Natürlich gibt es komplexere Dinge, als die Farbe Grün bei aufsteigender Nervosität. Doch sind es oft gerade die kleinen Dinge, die manchmal so nachhaltig unser Leben verändern können. Ziehen wir an dem einen Faden, bewegt sich auch der andere. Es ist ein bisschen wie Lebens-Mikado. Und das Erebnis ist in jedem Falle positiv und nachhaltig.


Alle Bereiche des Lebens greifen ineinander, die Übergänge sind fließend. Erkenntnisse im einen führen eventuell auch zu Lösungen bei Herausforderungen in einem anderen Lebensbereich. 


Wichtige Bitte

Holen Sie sich bitte Hilfe, wenn Sie merken, die Beantwortung der Fragen führt Sie auf einen ungeahnt steinigen Weg. Manchmal sind traumatische Ereignisse in weiter Vergangenheit für Probleme in der Gegenwart verantwortlich. Wir haben sie vielleicht sogar vergessen und trauen uns daher unbewusst nur oberflächlich an eine scheinbare Problematik. Der Grund und damit die Bewältigung liegt jedoch tiefer.

Ich werde ja immer wieder gefragt, WAS genau ein Präventologe ist! Eben auch DAS: Kompetente Begleitung bei den ersten Schritten, Anstifter zu mehr Eigen-verantwortlichkeit und – im Bedarfsfall – Vermittler*in zu spezialisierten Anlaufstellen (Ärzten, Selbsthilfegruppen etc).


Als Babies reagieren wir instinktiv. Wir handeln im Kindesalter oft „unbewusst kompetent“ und sollten als Erwachsene das Ziel haben „bewusst kompetent“ zu werden und uns hüten vor der „unbewussten Inkompetenz“.

Seid anders, lebt anders und lasst einander anders sein… Emanzipation mal anders gedacht

Die Angebote in den sozialen Medien und Zeitungen sind vielfältig und doch scheinen sie sich in einem Punkt einig zu sein: Sie wissen, was gut für Dich ist. Besser als Du selbst … klar.

Ein echter Dauerbrenner sind Diät-Tipps. Für mich kommen gleich danach die „Work-Life-Balance“-Ratschläge und Entspannungsmethoden. Ziehe ich mal so ein paar Heftchen bzw. und Beiträge zusammen, lautet der Tenor stets: „Nur ein entspannter Mensch kann gesund sein.“ und „Bleib so wie Du bist“ … naja aber erst, wenn Du so aussiehst wie unsere Models.

Für die moderne Frau von heute gilt also

Du stellst Deinen Wecker 1 Stunde früher für eine wertvolle Quality-Time, die Du für Deine Fitness, Entspannung oder zur mentalen Vorbereitung auf den Tag nutzt.

Danach ist Dein Frühstück ausgewogen, nicht zu umfangreich und möglichst langsam verspeist. Dabei unterhältst Du Dich angeregt mit Deinem Partner, hörst zur ständigen Weiterentwicklung Podcasts oder checkst Deine E-Mails. Sollte es wirklich einmal pressieren, machst Du Dir einen High-Protein-Low-Carb-Smoothie to go.

Dann geht es möglichst mit dem Rad, per Pedes oder mit Bus/Bahn zum Arbeitsplatz. Du trägst tolle Kleidung, deren Namen Du kaum aussprechen kannst, arbeitest in einer Agentur oder übst einen anderen Beruf in einem Büro aus (natürlich nicht als Putzfrau oder so) und triffst Dich zum Lunch in einem stylischen Restaurant, der nagelneuen Office-Kantine oder hast Dir ein fancy Menü vorgekocht. Natürlich bist Du ständig in Meetings oder präsentierst Deine neusten Projekte, logisch.

Nach Büroschluss bist Du entweder zum „After-Work-Drink“ eingeladen oder gehst zum Sport (solltest Du es morgens nicht schaffen). OK, eventuell kochst Du auch zu Hause etwas, aber das ist dann auf alle Fälle „Low-Carb“, vor 18 Uhr und natürlich wieder ausgewogen. Noch etwas „netflixen“ und Deine Beauty-Abendroutine absolvieren …. dann geht es ins High-Quality-Bed mit Luftbefeuchter, Staubpartikelfilter und Aroma-Lampe.

Klar, am Wochenende wird geshoppt, relaxt und im Café mit Deiner „Süßen“ mal wieder etwas Auszeit genommen. Dabei unterhaltet Ihr Euch über die neuesten Fitness-Trends, Must-Haves und Fernsehserien. Ganz generell bist Du eine unabhängige Frau, die sich von niemandem etwas sagen lässt und dabei aber auch zart, unscheinbar und belesen.

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Liebe(r) Leser*in … wenn das Deine Welt ist UND Du Dich wohl damit fühlst: KLASSE. Ich freue mich riesig für Dich. Und JA: Die Darstellung ist etwas überspitzt.

Für mich – und den Großteil der Frauen, die ich kenne – geht diese Tagesplanung vollkommen am echten Leben vorbei.

Denn

Wir freuen uns riesig über jede Minute Schlaf, denn wir kommen durch Kinder oder pflegebedürftige Angehörige schon spät ins Bett – oder schlafen in Intervallen… Eben aus diesen Gründen fällt unser Frühstück entweder häufig komplett aus oder wir ernähren uns von den kalten Resten (ist übrigens auch auf die anderen Malzeiten übertragbar).

Wir tragen ganz normale Kleidung, die eben zu unseren Berufen als Putzfrau, KFZ-Schlosserin, Gartenbauerin, Pflegerin oder Verkäuferin auf einem Wochenmarkt passt. Unsere Meetings heißen „Arbeitsplanbesprechung“ und wir wenn wir „Glück“ haben, schauen wir bei unserem Gesprächspartner in ebenfalls übermüdete Augen. Nicht, weil wir dem anderen keinen Schlaf gönnen, sondern weil wir dann wissen, dass derjenige uns möglicherweise versteht.

Zu essen gibt es mittags das, was da ist und wenn nix da ist, dann gibt es auch mal nix.

Nach DIENSTSCHLUSS „freuen“ wir uns auf die Bügelwäsche oder auf Überstunden im Betrieb. Gekocht wird, wenn Zeit ist und wir schlafen auf der Couch ein, noch bevor wir sie mit dem Po berührt haben. … dann beginnt die dritte Schicht: Nachtschicht mit Kind etc….

Uns plagt ständig ein schlechtes Gewissen, weil unsere Kinder unserer Meinung nach zu kurz kommen. Wir lachen dreckig, unsere Shirts sind es manchmal auch und beim Versuch, den neuesten Makeup-Trend zu schminken, ähneln wir eher dem Joker aus Batman als irgend einer eleganten Elfe.

Manchmal hat unser Tag mehr als 16 Stunden, was auch erklärt, warum wir kaum dazu kommen, kluge Bücher zu lesen. Podcats und Hörbücher sind zwar abonniert, doch manchmal wollen wir einfach nur RUHE. Für Abi und Studium fehlte uns der Weitblick und/oder das Geld.

…. und manchmal sind wir ein bisschen von dem einen und ein bisschen von dem anderen.

Fazit

Dies hier soll weder eine Bewertung irgendwelcher Lebensstile sein, noch eine Klage … ich würde mich nur wahnsinnig freuen, wenn die Emanzipation – welche wir uns so heißblütig herbeisehen – auch in unseren tollen „Ratgebern“ ankäme. Wenn darin Frauen, wie die Erna von nebenan oder die Fatma von Gegenüber oder die Karrierefrau vom Fliederweg und die alleinerziehende Mama mit drei Jobs von der Hauptstraße darin Platz fänden (und zwar mehr als nur in Form von Sonderartikeln).

„Du bist toll.“ und „Lass Dich nicht verbiegen.“ oder  wie auch immer diese schlauen Sprüche auf den tollen Bildchen lauten … alles nur Worte. Nehmt einander WIRKLICH wahr!

Wir sind Frauen mit ganz vielen tollen Facetten. Wir können alles und beschränken uns doch auf ein Typenbild, das eben nur EINE Möglichkeit ist … wo wir doch so viel mehr zu bieten hätten. Und wer jetzt denkt, dies sei eine „Kampfesansage“ gegen Männer oder eben oben beschriebene Frauen … der irrt. Auch diese Vermutung wäre letztendlich nichts anderes als die Bedienung eines Klischees.

Zeigt es anders. Macht es anders und lasst einander anders sein.

Wo und wann Du damit anfangen kannst?
Hier, jetzt, bei Dir und Deinen Kindern! Warte nicht auf Gesetzesentwürfe zur Gleichstellung oder sonstiges. Beginne JETZT, bei DIR!

Warum sollte ich mich selbst lieben?

Sie sitzt vor mir. Ihre kurzen braunen Haare stehen wild vom Kopf ab. Die Augen verraten ihre Anspannung und die Gesichtsfarbe wechselt von einer winterlichen Blässe zu  hektischen roten Flecken. Sie quält sich, das kann ich ihr deutlich ansehen. Sie sieht mir nicht in die Augen, vielmehr geht ihr Blick verschämt in den Boden.

Diese Situation habe ich vor einigen Jahren erlebt, als ich mit einer Bewohnerin des Seniorenheimes sprach, in dem ich arbeitete. Ich war knapp 17 Jahre jung und überbrückte die Zeit vom Schulabschluss zum Beginn meiner Ausbildung mit einem Praktikum in eben diesem Seniorenheim.

Nennen wir die sonst sehr aufgeweckte, freundliche Dame einfach Hilde.

Hilde wirkt ein wenig fehl am Platz dort in dem Heim. Sie ist eigentlich noch ziemlich rüstig, doch ihr Körper möchte manchmal eben einfach nicht mehr so, wie sie es mag. Sie hat Parkinson und die einzigen Verwandten, die sie nach dem Tod ihres Mannes noch hat, sind dessen Kinder (ihre Stiefkinder). Diese wohnen weit weg und so wohnt Hilde nun eben hier.

Hilde und ich haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Sie ist freundlich und hat eine gewisse resolute Ader. Ich schätze das an ihr sehr und kann nun viele Jahre später sagen, dass sie mich damit geprägt hat. Die Gespräche mit ihr drehen sich immer wieder um die 11 guten Jahre, die sie mit ihrem Mann und dessen Kindern hatte. „Eine tolle Zeit.“ betont sie immer wieder mit einem wehmütigen Blick.

Wenn Hilde in Erinnerungen schwelgt, dann leuchtet sie förmlich von innen. Ihre Stimme bekommt eine wunderschöne Melodie und überhaupt scheint sie dann ihre Krankheit und die „kleinen Malörchen“ dann einfach zu vergessen.

Eben aus diesen Gründen hat mich das oben genannte Gespräch so tief bewegt. Es war das erste Mal, dass Hilde an ihre Kinderzeit zurückdachte. Eigentlich war das gar nicht so geplant. Ich hatte in meinem jugendlichen Leichtsinn lediglich etwas aus meinem Privatleben daher geplappert. Was genau es war, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Ich meine, es ging um meine Pläne, eines Tages woanders meine Zelte aufschlagen zu wollen und, dass ich meine Spontanität an mir liebe.

Beim Wort „liebe“ schaute sie mich verdutzt an. „Wie kann man sich selbst für etwas lieben?“ – „Warum nicht? Du bist doch der wichtigste Mensch Deines Lebens.“ – „Warum solle ich mich selbst lieben? Da müsste ich mich doch schämen.“

Was da genau in ihrer Kindheit passiert ist, dazu kamen wir nicht mehr. Ich wurde über einen längeren Zeitraum krank und kehrte danach nicht mehr in das Heim zurück. Es liegt mir absolut fern, diese tolle Dame für irgendetwas zu verurteilen und schon gar nicht wollte ich sie damals belehren. Es war eine andere Zeit, in der sie aufgewachsen ist. Die Sorgen und Nöte waren anders. Manche Eltern haben es sicherlich geschafft, trotz aller Herausforderungen, Liebe und Selbstliebe zu vermitteln, doch eben nicht alle.

Ein ganzes Leben lang werden diese Menschen beeinflusst von diesen für mich erschütternden Erlebnissen.

Doch wisst Ihr was Mut macht? WIR haben es in der Hand. WIR, die heute Eltern sind. Denn: Auch die positiven Ereignisse bleiben für das ganze Leben.

Nutzt diese Chance. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde…..

Anmerkung: Aus Respekt habe ich Person und Lebensgeschichte etwas verändert. Doch die Kernaussage ist so wirklich geschehen.

Kaum zu glauben aber wahr – wir haben sie alle!

Eigentlich sind sie kleine – extrem wichtige – Boten in unserem Körper. Sie übertragen wichtige Informationen von einem Gewebe oder Organ zum anderen. Und vielleicht überrasche ich jetzt den ein oder anderen damit, aber: Wir alle haben sie! JA! Männlein wie Weiblein und neutrale Geschlechter. Ob verzaubert oder nicht, ob klein, groß, dick, dünn oder sonstige Staturen … egal.

Diese kleinen Biester sind u. a. für die Regulation des Stoffwechsels zuständig. Ja, richtig, nicht nur für den weiblichen Zyklus. Okay, die für den weiblichen Zyklus scheinen echt besonders mies zu sein…. sind sie doch reger Gesprächsstoff und Anlass, Frauen zu bewerten, abzustempeln, nicht ernst zu nehmen oder sogar wild zu beschimpfen. Warum ich das schreibe?

Weil ich mir neulich mit zwei besonders hellen männlichen Wesen ein öffentliches Verkehrsmittel teilen musste. Und jedes Wort aus deren Mündern war pure Verschwendung der ohnehin dünnen Atemluft. In dem Gespräch ging es um eine Frau, die wohl während ihrer Periode unter Stimmungsschwankungen leidet und diese beiden wenig wachen Geister hatten nichts besseres zu tun, als sich lautstark in der Straßenbahn darüber zu unterhalten.

Ich hatte meine kleine Tochter auf dem Schoß und war einfach nur heil froh, dass sie diesem Gespräch noch nicht folgen konnte. Stelle ich mir nun vor, dass ein etwas älteres Kind zugehört hätte und diesem ganzen Blödsinn Glauben geschenkt hätte, …. Ob ihr es hören wollt oder nicht: SO können zwischenmenschliche Probleme in der nächsten Generation entstehen. Ich wage sogar zu behaupten, dass genau diese Meinung dieser Menschen bereits die Folge einer unpassenden Kommunikation ist!

Kinder können noch nicht wirklich zwischen wahren Aussagen und Ironie bzw. Witz unterscheiden. Das ist uns Menschen nicht direkt angeboren. Wir sind ihre Vorbilder und sie übernehmen von uns so viel! So auch Aussagen, die sie aufschnappen und manchmal erst viel später selbst äußern.

Also, versaut Euren bzw. unseren Kindern nicht die Zukunft und bleibt fair. Sie sollen sich selbst eine Meinung über die Dinge da draußen bilden können. … und wenn es eben nur um eine menstruierende Frau geht.

Und kleiner Hinweis:

Ob Stimmbruch, Stimmungsschwankungen, Wechseljahre oder Midlife-Crysis … treffen kann es uns alle. 😉

 

Früher war alles besser – eine Anleitung zuverlässig Kinder zu demotivieren

Als Kind habe ich diesen Satz recht häufig gehört und konnte ihn lange nicht einordnen. Verlässlich wurde ich im Laufe meines Lebens immer wieder daran erinnert. Daran, dass „heute“ alles schlecht ist. Daran, dass „damals“ eine Geburt noch natürlich ablief und es sich Frau nicht so einfach machen konnte (Kaiserschnitt). Daran, dass es „damals“ ja noch eine „richtige“ Kindheit gab. Daran, dass ich als „heutige“ Jugend eigentlich schon verloren habe. Wir bringen ja nichts auf die Reihe, können noch nicht einmal die Hände von unserem Smartphone lassen … ich muss aufhören, sonst wird mir wieder schlecht.

Vor knapp einer Woche steht eine dürre Frau vor mir. Ihr Alter ist schwer zu schätzen – die Zähne sind im schlechten Zustand, die strähnigen Haare stark blondiert mit schwarzem Ansatz, dicke Hautfalten im Gesicht und die Nägel gelb vom Nikotin (über den Körpergeruch möchte ich jetzt hier nichts näheres schreiben…). Und eben diese Frau steht vor mir und beschwehrt sich mit voller Überzeugung über die verwahrloste und  unfähige Jugend heutzutage … da fiehl mir nichts mehr ein.

Egal zu welcher Zeit, es stimmt einfach nicht!

Auf dem Stundenplan zu meinem Studium zur geprüften Präventologin und GLK-Trainerin steht auch das achtsame Sprechen. Für mich also genau der richtige Zeitpunkt, den von mir so verabscheuten Satz „Früher war alles besser.“ (und eben alles, was da so drumherum noch geäußert wird) genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fakt ist, dass „damals“ NICHT alles besser war. Ob in der Steinzeit, im Mittelalter oder in der Weimarer Republick (und schon gar nicht im Dritten Reich) … stets waren die Lebensbedingungen deutlich härter als unsere heute. Wer Glück hatte, konnte sein Kind mit kundiger Unterstützung zur Welt bringen. Noch glücklicher konnten sich diejenigen schätzen, deren Kinder auch die ersten Jahre überlebten. Von klein an musste viel gearbeitet werden und die Erziehung generell war geprägt von Thesen, die wir heute als Misshandlung verstehen … Das merkwürdige ist jedoch, dass es in jeder Generation Menschen gibt, die der Meinung sind, sie wären die „bessere Jugend“ gewesen.

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

(Sokrates, 469vChr – 399vChr)

Was dahinter steckt

Betrachten wir einmal diese Überzeugung ganz sachlich, so hat sie einen ganz wichtigen Sinn: Sie lässt uns auch in späteren Jahren wohlwollend auf unser bisheriges Leben zurückblicken. Sind es im Alltag und in der jüngeren Vergangenheit eher die negativen Ereignisse, die uns besser im Gedächtnis bleiben, ziehen wir im Laufe unseres Lebens immer mehr mit einem Weichzeichner über die Erinnerungen. Klar, es war und ist überlebenswichtig, dass wir uns daran erinnern, wenn wir uns eben an einer Frucht den Magen verdorben haben. Je näher wir jedoch unserem biologischen Ende kommen, desto wichtiger ist es ein positives Gefühl zu haben, wenn wir zurückschauen. Dass wir uns an einer bestimmten Frucht den Magen verderben können, wissen wir dann längst.

Mir geht es hier jedoch nicht um den sachlichen/wissenschaftlichen Teil. Er hilft mir lediglich dabei, nicht jedes Mal wütend zu werden, wenn ich „Früher war alles besser.“ höre.

Die Frage ist „Wie…“

Es ist wunderbar, wenn Ihr das Gefühl habt, dass Eure Kindheit/Jugend für Euch toll war. Dieses unvergleichliche Gefühl, wenn Ihr an das „Zurückspulen“ von Kassen denkt oder daran, dass Ihr nicht ständig per Smartphone erreichbar wart. Großartig.

Ein „Ich finde meine Kindheit war toll.“ ist ein positiver Satz, der „heutige“ Kinder und Jugendliche zum Zuhören animieren kann, wenn er mit Beispielen ausgeschmückt wird. Es wird gelacht und so manche Kuriosität wird bestaunt.

Wie wirkt hingegen ein „Früher war alles besser. Wir hatten nämlich noch eine richtige Kindheit.“ Oder „Also wir haben noch draußen gespielt und nicht die ganze Zeit vor der Glotze gehangen.“ … Also wenn ich mir meine Mutter vorstelle, die mir diesen Satz fünf mal am Tag entgegentrompetet …. ich käme aus dem Verdrehen meiner Augen nicht mehr heraus. Sie ernst nehmen oder gar mit ihr zusammen lachen? Nö, warum? Sie nimmt doch meine Kindheit auch nicht ernst.

Glaube ich der Meinung einiger Gesellschaftsforschern, gehöre ich zu der Xennial- Generation. Eine Gruppe, die zwischen zwei großen Generationen geboren wurde. Genauer gesagt, zwischen den End-Siebzigern und Mitt-Achzigern. Wir sind so irgendwie zwischendrin. Heute finde ich das fein. Ich kann mich an Zeiten ohne Handy und Navi erinnern, genieße aber die Vorteile, die eben diese Erfindungen heute mit sich bringen. Als Jugendliche allerdings war ich irgendwann der Meinung, einer absoluten Verlierer-Generation entsprungen zu sein. „Wir haben doch nichts auf die Reihe gebracht. All die tollen Erfindungen und bahnbrechenden Neuerungen kamen doch von den Generationen zuvor…“ So und jetzt mal kurz Luft anhalten und nachdenken. Stimmt diese Aussage? NEIN!

Bitte

Kinder haben die wundervolle Eigenschaft, die Welt bunt zu sehen. Sie wollen gestalten und erkunden. Nehmt ihnen bitte nicht diesen Elan durch solch unqualifizierten Sätze. Es ist schön, wenn Ihr mit Eurer Generation fein seid! Genießt das! Und gesteht Euren Kindern das auch zu!

Übrigens

In dem Moment, wo ihr die Generation Eurer Kinder als „unfähig“ und „verwahrlost“ bezeichnet (ob direkt oder durch die Blume), bezeichnet Ihr EURE Kinder als eben dies! Ist irgendwie fies, findet Ihr nicht?

 

Eigentlich sollte es ich doch nur ein einfaches Spiegelselfie werden …

Es ist Samstagmorgen und ich schlüpfe vom Schlafanzug in meine Jeans und einen bequemen Pulli. Der Gürtel ist gerade festgezogen, das Shirt drappiert, da nehme ich mein Smartphone, schalte den Kameramodus ein und sorge fanz flott mit zwei geübten Fußbewegungen für einen ordentlichen Bildhintergrund. Bauch rein, Bein leicht angestellt, Brust raus und …. KLICK …. fertig ist das Spiegelselfie. Nun noch zwei Filter drauf und …. ach warte, da sieht man ja meine Falten … und oh je, da steht ein Haar ganz komisch weg … weih, der kleine Pickel am Kinn ist auch zu erkennen. Nee, das machen wir nochmal.

Tja ja, so vorgekommen ca. 20 Minuten bevor ich mich hier an den Schreibtisch setzte und eilig zu tippen begann.

(Noch gar nicht so) Lang ist’s her

Es ist nun 14 Jahre her, dass ich mir verzweifelt dicke Mullbinden kaufte, sie in Kortisonsalbe tränkte und mir meine Hände dick einbandagierte. Die Finger waren übersäht mit kleinen Wasserbläschen, die höllisch juckten und überhaupt waren meine Hände so stark angeschwollen, dass ich die Finger kaum krümmen konnte. Und wenn ich es doch tat, riskierte ich, dass die Haut einriss.

Natürlich waren Kortisonsalbe und Mullbinden nicht meine erste Wahl, doch es blieb mir nichts anderes übrig. Überall hinterließ ich sonst Spuren von Blut und Wundsekret. Ja, ganz sicher kein schöner Anblick – weder für mich, meinen Partner noch für meine Umwelt. Die dicken Binden verschafften mir da ein wenig Ruhe.

Ich bin Neurodermitikerin

Jeder der diese Krankheit kennt, weiß um die unschönen Details. Vielleicht kennt er/sie auch die Scham, die man empfindet, wenn man jemandem die Hand geben möchte. Streicheleinheiten, die man weder sich noch anderen gibt und die bohrenden Blicke, wenn man sich ganz offensichtlich wieder an den geschundenen Stellen gekratzt hat.

Das alles ist mir seit meiner jüngsten Kindheit bekannt. In den schlimmsten Zeiten waren Gesicht, Hände und die kompletten Beine betroffen. Über Wochen hinweg.

… hätte ich da auch nur ein Bild von mir machen lassen? Geschweige denn ein Spiegelselfie, dass ich dann auch noch online stelle?

NEIN, ganz sicher NICHT!

Außerdem hätte ich meine Neurodermitis gerne gegen kleine Fältchen, abstehende Haare und ein kleines Pickelchen getauscht. Ganz stolz wäre ich gewesen, denn die kleinen Fältchen sind Zeugen eines Lebens, in dem viel gelacht wurde. Die abstehenden Haare ein Beweis für eine wundervolle Nacht und das kleine Pickelchen … nunja, es ist EIN KLEINES Pickelchen …. so what.

Heute geht es mir gut. Es tauchen an Händen und Füßen immer mal wieder Stellen auf, die von meiner Krankheit zeugen, doch alles in allem ist das nichts im Vergleich zu damals. Ich schreibe dies einem einigermaßen eingependelten Hormonhaushalt, guter Ernährung und viel Bewegung an frischer Luft zu. Darüber hinaus mag ich meinen Körper recht gern und sorge auch gerne gut für ihn.

Warum ich diese Zeilen schreibe

In Zeiten des Bodyshamings und Selbstoptimierungwahns möchte ich DICH wieder ein bisschen mehr FÜR DEINEN KÖRPER begeistern. Pflege, Lebe und feiere ihn. Er ist Dein treuer Begleiter durch Euer Leben! Immer bei Dir! Wie auch andere Begleiter ist er nicht immer fair – manchmal geradezu stur und trotzig! Ich erinnere nur mal an übertriebene Reaktionen auf ein „klitze kleines Bisschen“ zuviel Schokolade oder Wein … ich finde, da reagiert mein Körper ab und an etwas zu sensibel 😉 … und doch tut er es wie unsere mitmenschlichen Begleiter: Er spiegelt unser Verhalten. Pflege, liebe und ehre ihn, dann ist die Chance größer, dass er Dich treu unterstützen wird.

Und für alle Klugscheißer

„Und warum bekommst Du dann dennoch Neurodermitis-Schübe, obwohl Du doch Deinen Körper angeblich so pflegst und ehrst?“ – Auch mein Körper darf mal grundlos mies drauf sein … ich bin es ja auch ab und an.

„Auf dem Bild sind aber seltsame Flecken, war der Spiegel etwa nicht geputzt?“ – Richtig! Ich bin Mutter eines sehr lebhaften Wirbelwindes … da steht das Putzen von Spiegeln und Fenstern an so ziemlich letzter Stelle meiner Prioritätenliste!

 

Und dann bist plötzlich DU die vegane Mutti mit den zuckerfreien Waffeln – Schubladendenken deluxe

Wenn ich in die Vergangenheit reisen und mir sagen könnte, dass ich mal morgens 8:30 in der Küche stehe um vegane, zuckerfreie Waffeln für die Krabbelgruppe zu backen …. ich glaube mein früheres Ich würde vor Schreck aus dem Fenster springen.

„Öko-Mamas“

So haben wir diese Personen damals genannt (nicht ohne den entsprechenden Tonfall…). Ungeschminkte Frauen mit Hang zur Überfürsorglichkeit, militantem Zucker- und Fleischverweigerungs-Wahnsinn, unordentlichen Haaren und merkwürdigem Kleidungsstil. Quasi das Bio-Siegel schon fast auf die Stirn tattowiert.

Tatsächlich kann ich mich in dieser charmanten Kurzbeschreibung zu einem Teil wiederfinden…. Kurz nach der Stillzeit wurde mein Fleischkonsum immer weniger. Auch auf Milchprodukte und Eier hatte ich plötzlich keinen Hunger mehr. Später dann hörte ich hier und da wieder von diesen fiesen Massentierhaltungen und Schlachtmethoden … naja und dann hatte sich dieses Thema FÜR MICH einfach erledigt. Im Familienbioladen kaufe ich auch zu einem großen Teil.

Hinsichtlich meiner Kleidung … naja ich liebe fair produzierte Öko-Kleidung. Die Auswahl ist mittlerweile riesig und reicht von sportlich bis chic. Also, warum nicht?! Dass ich gerade ungeschminkt mit Haarmaske und Duschhaube vor dem Bildschirm sitze und diese Zeilen tippe erklärt – glaue ich – dann auch den Rest 😉

Schubladendenken deluxe

Ich denke, dass es normal ist, dass wir Menschen manchmal in Schubladen packen. Vielleicht ist das so ein evolutionsbedingtes Ding, das uns früher half zu überleben, indem wir wussten, wer uns gut gesonnen ist und wer nicht …  Meiner Meinung nach ist die Verweildauer in der Schublade und wie fest ich sie verschließe ohnehin viel wichtiger. Bin ich bereit, meine Einschätzung zu überdenken bzw. zu korrigieren? Das hat ja schließlich auch etwas damit zu tun, sich selbst einzugestehen, dass man vorschnell geurteilt bzw. sich geirrt hat. Zwei Gedankengänge, die sicherlich nicht so charmant sind.

Schublade auf – Horizont erweitern

Zu merken, dass ich lebendige Wesen mit Gefühlen und Historie in solche uncharmanten Schubladen packe, war für mich schon etwas befremdliches. Zählte ich mich doch zu den weltoffensten und vorurteilfreisten Menschen dieses Planeten. Doch in Wahrheit gab es recht viele Schubladen in meinem Kopf. Auch heute noch erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich welche aufmache und fleißig reinpacke! Ob es der drängelnde Raser auf der Autobahn ist, der natürlich einen Audi (Markennahme zufällig, könnte auch irgend eine andere sein) fährt …. oder die ältere Dame, die natürlich mit viel Geduld und Kleingeld ihren Wocheneinkauf im Supermarkt bezahlt …. die Blondine, die eine seltsame Frage gestellt hat oder den „gemütlichen“ Mitarbeiter einer öffentlichen Einrichtung.

So lange alle (inkl. der Beschriebene) darüber lachen können, finde ich das alles auch schwer in Ordnung. Folgendes Beispiel zeigt mir aber, dass wir mit solchen Schubladen aufpassen sollten:

Während eines Gespräches kommt das Thema „Veganer“ auf. Mein Gegenüber weiß noch nicht, dass ich sehr gerne vegan esse und auch im Restaurant schonmal nach einer veganen oder vegetarischen Variante eines Gerichtes frage. (Warum auch nicht?!) Kaum fällt das Wort „VEGANER“ verdreht mein Gesprächspartner auch schon die Augen. „Wie erkennt man einen Veganer?“ – „Keine Ahnung?! Am Einkaufskorb?!“ – „Nee. Er sagt es Dir.“ Stille. „Na, die binden einem doch stänig direkt aufs Auge, welcher Gesinnung sie sind. Ständig brauchen sie eine Extrawurst. Dann haben sie noch irgendwelche Intoleranzen, die eigentlich gar nicht da sind und belehren einen über Massentierhaltung, Schlachtungsmethoden oder zeigen sogar ekelige Fotos/Videos. Damit einem dann auch direkt der Appetit vergeht.“ Öhm, da war ich doch recht perplex. Eine so genaue Schilderung seiner Vorstellung hatte ich jetzt mal nicht erwartet.

Noch einen Schritt weiter gedacht: Wenn dieser Mensch immer so auf sein Stichwort reagiert, wiederholt er seine Aussage immer wieder. Was wir immer wieder wiederholen, glauben wir auch. Selbst wenn uns Beispiele/Belege fehlen. Es wird zur Tatsache (für uns). Außerdem gruselt es mich davor, dass ihm ein Mensch zuhört, der nicht weiß, was ein Veganer ist … und dann diese Worte glaubt. Passiert das häufiger, haben wir jede Menge überzeugte Menschen, die jedoch nicht einen einzigen Veganer kennen……

Dies ist jetzt nur ein Beispiel – übertragbar auf so viele Menschen/Situationen/Dinge. Nicht zuletzt auch auf das ständige brennende Thema in Deutschland: Migranten. (Über die Folgen kann sich jetzt jeder selbst seine Gedanken manchen).

Es geht mir gar nicht darum zu beurteilen, ob es vegan lebende Menschen gibt, die tatsächlich genau so militant durch die Gegend laufen. Aber aus EINER Person dann gleich ALLE zu machen…..

Fazit

Schubladen im Kopf mal auszumisten kann so wunderbar erweiternd für den eigenen Horizont wirken. Hier noch ein kleines Beispiel zum Schmunzeln:

In der Berufsschule in Bayern stehe ich mit zwei Mädchen auf dem Gang. Gemeinsam warten wir darauf, dass wir den Klassenraum betreten dürfen. Ein Mädchen hatte recht dunkle Haut und lange schwarze Haare. Innerlich tippte ich darauf, dass sie Inderin ist. Als ich sie anspreche, mache ich mich auf einen gebrochenen Akzent und ein schüchternes Auftreten gefasst. … Tja denkste! Mit einem fröhlichen, breiten Grinsen schallt es mir laut entgegen: „Hey griaß di. Moanst Du die brauchat no länga bis mia nei kennat?“ … Okay auch ein gebrochener Akzent irgendwie. Aber eben ein anderer. Ich habe so sparsam geguckt, dass sie noch sagte: „Host jetzt net damit grechnet, gell?!“ – „Nee wirklich nicht. Aber mega klasse!“ :-))

Ankommen – zuhause – glücklich

Stimmengewirr, Lachen und amerikanischer Jazz vom Band. Es ist kurz vor 22 Uhr und das halbe Dorf sitzt um uns herum und genießt das Abendessen. Mama mit Papa und Tochter am einen Tisch, die Großfamilie an einem anderen, eine große Gruppe aus Freunden mit Kindern am nächsten.

Unser Tisch ist mittlerweile übersäht mit Besteck, Gläsern und Brotkrümeln. Keiner stört sich an meiner kleinen Dame, die höchst konzentriert Wasser vom einen Glas ins nächste und wieder zurück kippt. Dabei schwappt immer wieder etwas auf die Tischdecke….egal. Es stört einfach keinen. Niemand schaut uns schräg an oder verlangt von uns Eltern, einzuschreiten. Ganz entspannt kann ich das Surren und Schwirren genießen, das ich immer fühle, wenn ich ankomme und entspanne.

Hier, in Mittelitalien, einem winzigen Dorf bei Arezzo komme ich an. Es ist vollkommen egal, dass ich Tourist bin. Keiner macht hier für mich eine Dose Extrawurst auf, keiner legt für mich goldenes Besteck aus. Ich bin einfach da. So, wie alle anderen auch. Natürlich merken alle, dass ich nicht von hier komme (nicht zuletzt an meinem schlechten Italienisch-Englisch-Sprach-Mix)…aber es kümmert eben keinen.

Ich sitze im einzigen Restaurant des Dorfes. Es gehört zu dem Campingplatz, auf dem wir unseren Wohnwagen geparkt haben. Unser mobiles Zuhause. Sowohl der Swimmingpool als auch der kleine Spielplatz werden von der Dorfgemeinschaft mit genutzt….und so ist hier einfach immer was los. Während die meisten Camper nach einem aufregenden Sightseeing-Tag unter sich bleiben, zieht es mich zu den Einheimischen.

Bereits in der Früh, geht es zum einzigen Tante-Emma-Laden im Ort. Hier heißt das „Alimentari“. Mit Händen und Füßen bestellen wir Brötchen und einen Espresso. Es wird gelacht, gerätselt und wieder spüre ich, dass ich entspanne. Während ich meinen Espresso genieße, lausche ich den Unterhaltungen. Die alte Dame erledigt ihre Besorgungen für den Tag. Alles kocht sie frisch. Immer. Warum die Menschen hier so alt werden, beantwortet sich von selbst.

Unsere kleine Dame wird überall freundlich begrüßt. Sie kann frei herumlaufen und wie von selbst taut sie auf. Fröhlich winkt sie allen Menschen. Ein liebevolles „Ciao“ kommt zurück und zaubert Kind und Erwachsenem ein Lächeln ins Gesicht.

Perfekt ist hier nichts…außer der Moment.

Zwei Orte auf diesem Planeten haben die Kraft, mich so zu erden. Wie und warum?! Keine Ahnung…. ist aber auch egal. Genau in diesem Moment – 23:18 Uhr – verebben langsam die Kinderstimmen. Langsam kommt auch hier alles zur Ruh.

Ich wünsche Euch allen, eben einen solchen Ort!

„Aber das gute Geschirr lassen wir für Besuch“ – manches war früher eben doch nicht besser!

Ich stamme aus einer Familie, die sich nur selten mal was geleistet hat. Mein Papa hat immer viel gearbeitet – und tut es bis heute – meine Mama unterstützt ihn dabei. Während meiner Kinderzeit lebte meine Oma noch mit in unserem Haus bzw. unserer Wohnung. Sie war die Mama meiner Mama und sie sorgte oft für Stress. Als echte Diva ließ nie etwas auf sich sitzen und verstand es sehr gut, sich in Szene zu setzen. Koste es was es wolle … Ja, ich weiß, über Verstorbene soll man nicht schlecht reden. In ihrem Fall wäre allerdings alles andere eine Lüge, und lügen soll man ja nun auch nicht.

Meine Oma war stets darauf bedacht, vor anderen in einem guten Licht zu stehen. Ob es ihre Sucht nach Anti-Faltencremes war oder eben „das gute Geschirr/Besteck… die gute Butter“ … alles musste stets „besonders“ sein. Aber eben nicht für einen selbst, sondern um vor anderen zu glänzen.

Ihre Aussagen haben mich noch sehr lange geprägt.

Irgendwann zwischen meinem 4 und 8. Geburtstag hatte ich mitten in der Woche Geburtstag. Und so war es bei uns üblich, am darauf folgenden Wochenende zu feiern. Es wurden dann stets das halbe Dorf und Verwandschaft eingeladen (ob ich sie mochte oder nicht…). Ich wollte aber an diesem Wochentag auch einen besonderen Tag haben und begann den Frühstückstisch mit „dem guten Geschirr“ zu decken. Gleich intervenierte meine Oma entschieden und meinte „Das gute Geschirr lassen wir für Besuch.“ Mein Protest half nichts und so aßen wir wie üblich Frühstück.

Eigentlich nicht besonders schlimm … und doch macht es mich noch heute traurig.

Kein Mensch in meinem Leben wird länger bei mir sein, als ich selbst! Wer könnte also für mich wertvoller sein, als ich selbst? Natürlich würde ich für meine Tochter die Welt umdrehen, wenn es für sie wichtig wäre … doch ich muss in erster Linie dafür sorgen, dass es mir gut geht, damit ich das auch tun kann! Ich muss gesund sein, damit ich für mich und meine Lieben das Leben schön gestalten kann … oder zumindest meinen Beitrag dazu leisten kann.

Immer wieder höre ich auch heute noch: „Warum sollte ich für mich allein kochen? Bin doch nur ich.“, „Der Aufwand lohnt sich nicht für mich allein.“ oder „Warum sollte ich mich schminken, wenn es doch kein anderer sieht?“

WEIL IHR ES MÖCHTET! WEIL IHR SPAß DARAN HABT … WEIL ES EUCH GUT TUT!

Für mich sind genau solche Aussagen, die Folgen einer ähnlichen Erziehung, wie ich sie erlebt habe. Unsere Eltern und Großeltern haben das sicherlich nicht böse gemeint … sie stammten eben aus einer anderen Zeit. Oftmals aus einer Zeit des Mangels und Krieges. Sie selbst hatten es nicht anders gelernt. Daher ist dieser Post auch keine Anklage. Eher soll es ein Auftrag… ein AUFRUF sein:

„Feiert das Leben! Tut Euch Gutes!“

Warum? Weil es niemanden in Eurem Leben gibt, der länger bei Euch sein wird, als Ihr selbst! Unterbrecht den Kreislauf der „alten Gepflogenheiten“ und geht neue Wege. An einem ganz normalen Tag habt Ihr Lust auf ein besonderes Glas Wein? Fein, dann genießt es! Ihr wollt mal einen aufregenden Lippenstift bzw. Parfum oder besonderes Kleidungsstück ausprobieren, ohne, dass ein „besonderer Anlass“ besteht? Dann ist genau dieser Wille und dieser Tag der besondere Anlass und Ihr solltet es einfach tun!

FAZIT

Ich lebe nun schon eine ganze Weile nach genau diesem Konzept und es fällt mir auf, dass mein Alltag dadurch viel bunter geworden ist. Ich bin glücklich! Nicht immer benötige ich für meine „besonderen Momente“ Geld, manchmal reicht einfach nur ein schöner Teller, eine schöne Tasse um genau diesen Effekt zu erzielen. Ganz im Gegenteil… ich spare sogar Geld! Es gibt in meinem Haushalt nur noch ganz wenige Dinge, die nicht „besonders“ sind. Ich kann mich an allen Anschaffungen erfreuen und pflege sie, damit sie mir lange erhalten bleiben. Kaputtes  wird repariert (sofern möglich) und nicht einfach neu gekauft.

Traut Euch, Ihr seid es absolut wert!

5 Tage fasten – eine köperliche und mentale Erfahrung

Als ich vor einigen Jahren das erste Mal versucht habe, während der üblichen Fastenzeit (zwischen Karneval und Ostern) auf selbst gewählte Dinge zu verzichten (Süßigkeiten, Fastfood, Kaffee) scheiterte ich kläglich. Nach drei Wochen saß ich heulend vor dem Kühlschrank – im Kampf mit meinem Herz und meinem Kopf. Was ich damals schon salopp formulierte ist mir jedoch erst jetzt – nach einer „erfolgreichen“ Fastenwoche – wirklich klar geworden.

„Ich bin halt ein Genussmensch und der braucht ab und an eine kleine Sünde.“

Nun ja, wie schon erwähnt, habe ich es dieses Jahr „geschafft“. Ich habe dabei nicht nur auf gewisse Lebens-/Genussmittel verzichtet, sondern gänzlich auf feste Nahrung und Kaffee. Als ich meinem Mann von diesem Plan erzählte fragte er übrigens, wo ich während dieser Zeit leben wolle…. 😉

Warum das alles?

Ich habe das Fasten gewählt, da ich nach meiner Schwangerschaft und der einjährigen Stillzeit etwas zur „Reinigung“ meines Körpers tun wollte. Nun ist wissenschaftlich belegt, dass es so etwas wie „Schlacke“ im Körper nicht gibt … und doch denke ich, dass eine gewisse „Reinigung“ eintritt, wenn man für einige Zeit mal viel trinkt und gewisse Lebensmittel vom Plan streicht.

Körper und Geist sollten die Gelegenheit bekommen, sich komplett frei machen zu können und die vergangene Zeit abschließen. Beide haben in der Vergangenheit ein Kind erschaffen, mit Leben erfüllt und ernährt – eine Höchstleistung.

Außerdem hatte ich festgestellt, dass ich gegenüber einigen Lebens- und Genussmitteln abgestumpft war. Der tägliche Cappuccino gehörte einfach zum Tag, darauf gefreut habe ich mich nicht mehr so richtig. Ähnlich erging es mir mit Schokolade. Ich aß sie einfach – wir reden hier jedoch von GENUSSmitteln (also Dingen, die genossen und zelebriert werden wollen!). Mal ganz ehrlich, wann hast Du das letzte Mal am Kaffee/Tee gerochen, bevor Du ihn getrunken hast? Oder das Stück Schokolade langsam auf der Zunge zergehen lassen? Bei mir war das lange her.

Und so lief es ab

Am 2. Februar 2018 legte ich zunächst mit einem „Detox-Shake“ zwei Mal täglich los. Ansonsten veränderte ich nichts. Der Shake besteht aus Zeolith und Flohsamenschalen … naja lecker ist anders. Wichtig dabei ist eigentlich nur, dass man beide Zutaten mit lauwarmen Wasser (200ml) mixt und trinkt. Auf keinen Fall abstellen, sofort trinken! Dann nochmals 300ml lauwarmes Wasser hinterher und das war es. Morgens und abends.

Am Aschermittwoch ging es dann mit den fünf „Entlastungstagen“ los. Also Tage mit gesunder Schonkost. Das klappte – bis auf zwei Ausnahmen – ganz gut … naja ich hatte mir einen grippalen Infekt eingefangen und mir war ohnehin nicht so nach essen.

Dann folgten fünf Fastentage. Für mich die größte Herausforderung.

Der erste Tag rannte an mir vorbei. Ich hatte weder Hunger noch Appetit. Fein! Tag zwei war da schon etwas kniffliger – aber auszuhalten! Kein Hunger aber etwas Appetit.

Am dritten Tag dann ging es los. ICH WOLLTE ESSEN! Zwar plagte mich (noch) nicht der Hunger ABER die Lust auf Essen! Wie gerne ich koche, abschmecke und improvisiere ist mir da erst wirklich klar geworden. Normalerweise öffne ich den Kühlschrank und dann geht das bunte Kochen los! Es ist keine Seltenheit, dass dann plötzlich ein 3-Gänge-Menü mit vielen Leckereien aber auch viel Gemüse und Obst vor mir steht! Und dabei ganz wichtig für mich: Ich liebe es für meine Familie zu kochen ABER ich koche auch für mich ganz allein sehr gerne! Oh diese Euphorie, wenn es ums Kochen geht, die war am dritten Tag spürbar – in all meinen Fasern! Natürlich wollte ich meine Familie nicht auch zum Fasten verdonnern, also kochte ich dennoch für sie – ohne abzuschmecken. Naja, sagen wir es so: Nicht allen hat es geschmeckt.

Tag 4: HUNGER! Vom frühen Morgen an hätte ich futtern können wie ein Weltmeister! Zwar knurrte mein Magen nicht aber schon der Geruch von Lebensmitteln machte mich wahnsinnig. Ja, ich roch wieder! Der Kaffee meines Mannes morgens duftete wieder! Die Mahlzeit meiner Tochter roch wieder intensiv nach ihren Zutaten … wunderbar! Das war es, was ich vermisst hatte! Warum es zuvor verloren ging, weiß ich nicht. Doch von jetzt an wurde es für mich schwer! Mein Kopf sagte: Du hast Dein Ziel erreicht, kannst jetzt aufhören. Mein Herz sagte: Du hast Dir nichts zu beweisen, hier ist kein Wettbewerb und Du hast es Dir verdient! Warum ich dennoch nicht aufgehört habe? Ich wollte wissen, was da noch kommt!

Der fünfte Tag dann war voller Erkenntnis und dem Wunsch, endlich das Fasten zu beenden! Jedoch der Reihe nach. Den ganzen Tag über hatte ich absolut keinen Hunger! ABER es war ein sehr trubeliger Tag. So, wie mein ganz normaler Alltag eben ist. Derzeit bereite ich meinen beruflichen Neustart vor und da stehen viele Termine an. Termine, die Spaß machen und meine volle Konzentration fordern. Außerdem bin ich Mama und Ehefrau in einer eher konservativen Familie. Ich bin sehr fein damit und liebe meine Aufgaben…. aber sie fordern eben auch! Was ich erkannte: Das Fasten hat mir geholfen, wieder mehr zu genießen ABER es passt nicht in meinen Alltag! Hier brauche ich Energie.

Außerdem zähle ich zu den Menschen, für die das Kochen und Essen zur Selbstfürsorge gehört. Nichts ist so wichtig wie gutes/gesundes Essen! Was wir zu uns nehmen hat direkt Auswirkung auf unser Leben, unsere Zellen, unseren Energiehaushalt und Wohlbefinden. Indem ich nicht mehr für mich gekocht habe fehlte mir ein großes Stück meiner Selbstfürsorge! Die übrige Zeit wollte/konnte ich auch nicht wirklich für andere Dinge verwenden. Ab der zweiten Hälfte der Fastenzeit wurde ich unruhig. Ich WOLLTE diese Zeit fürs Kochen und Essen verwenden.

Was ich noch bemerkt habe

Mir fehlt die Leichtigkeit. Normalerweise liebe ich es, mich für meine Tochter total zu blamieren. Verrückte Dinge tun, damit sie lacht und sich so richtig freuen kann. Genau dafür fehlte mir die Energie. Jeden Abend wollte ich unbedingt, dass sie endlich schläft. Ich wollte den Tag hinter mir haben und endlich die nächste Suppe oder den nächsten Saft trinken. Dabei fehlte mir natürlich die Geduld für kleine Spielchen oder schlechte Laune.

Fazit

Körperlich hat das Fasten sicherlich sehr positive Auswirkungen auf mich gehabt. Doch die mentalen Nebenwirkungen waren weniger schön. Es war gut, diese Fasten-Kur auszuprobieren und so viele Dinge über mich zu erfahren. Zu lernen, dass ich eigentlich satt bin, für mich aber mit dem Kochen und Essen ein wichtiges mentales Grundbedürfnis befriedigt wird.